Mobilität

Wie verändert sich die Mobilität durch den Digital Key?

Jeden Morgen stellen sich viele Menschen die gleiche Frage: Welches Verkehrsmittel ist heute die beste Wahl?

Ob Auto, Zug, Bus oder Fahrrad – die Entscheidung hängt von individuellen Faktoren und vor allem dem jeweiligen Zweck ab. Geht es zur Arbeit, zum Einkaufen oder in den Urlaub? Dabei spielen persönliche Vorlieben und die jeweiligen Anforderungen eine entscheidende Rolle. Die Bewertung der Verkehrsmittel kann anhand verschiedener Kriterien erfolgen, wie etwa Flexibilität, Kosten, Umweltfreundlichkeit oder Komfort. Natürlich erstellen die wenigsten bewusst eine Liste mit Vor- und Nachteilen; meist folgt man einer eingespielten Routine.

Im Folgenden sind die wesentlichen Merkmale der häufigsten Verkehrsmittel exemplarisch zusammengefasst:

  • Flexibilität: Autos bieten maximale Flexibilität, da sie unabhängig von Fahrplänen genutzt werden können.
  • Kosten: Autos bringen höhere Anschaffungs- und Unterhaltskosten mit sich, während öffentliche Verkehrsmittel und Fahrräder oft deutlich günstiger sind.
  • Umweltfreundlichkeit: Fahrräder und der öffentliche Nahverkehr gelten als deutlich umweltfreundlicher. Autos hingegen tragen zu einem höheren CO₂-Ausstoß bei.
  • Bequemlichkeit: Auf längeren Strecken bieten Züge und Autos den meisten Komfort, während Fahrräder eher für kürzere Distanzen geeignet sind.
  • Sicherheit: Züge gehören im Vergleich zu Motorrädern zu den sichersten Fortbewegungsmitteln.
  • Verfügbarkeit: Vor allem in ländlichen Regionen bietet das Auto durch seine Unabhängigkeit eine bessere Verfügbarkeit als öffentliche Verkehrsmittel, die oft durch Fahrpläne und Taktzeiten limitiert sind.

Die Bewertung dieser Aspekte variiert stark je nach individueller Perspektive. Für die einen ist der Arbeitsweg mit dem Fahrrad eine willkommene Sporteinheit, selbst wenn sie mit dem Auto schneller wären. Andere schätzen ihr Fahrzeug weniger als Fortbewegungsmittel, sondern vielmehr als Statussymbol. Während manche den CO₂-Verbrauch eines Verkehrsmittels als entscheidenden Faktor betrachten, sind für andere Aspekte wie Komfort – etwa die Sitzheizung im Winter – ausschlaggebend. Im Sommer hingegen könnte ein Lastenrad für den Einkauf zur bevorzugten Wahl werden.

Auch der Begriff „Auto“ umfasst eine große Bandbreite: vom kompakten E-Fahrzeug bis hin zum V12-Supersportwagen mit über 1.000 PS. Die Vielzahl an Optionen spiegelt die unterschiedlichen Bedürfnisse und Prioritäten der Menschen wider und macht deutlich, dass es kein universelles „bestes“ Verkehrsmittel gibt.

Die Mobilität befindet sich stetig im Wandel

Die Mobilität ist im ständigen Wandel, und dieser Wandel hat vielfältige Ursprünge. Große staatliche Innovationen wie das Deutschlandticket sorgen für Veränderungen, die im wahrsten Sinne des Wortes bahnbrechend sind. Mit diesem Schritt wird nicht nur die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel neu definiert, sondern auch massive Milliardeninvestitionen und umfassende legislative Anpassungen angestoßen. Für viele ÖPNV-Nutzer bedeutet das Deutschlandticket eine erhebliche Kostensenkung im Vergleich zu früher oft teuren Monatstickets. Gleichzeitig wurden die Tarifstrukturen vereinfacht, was den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel attraktiver macht. Die Einführung des Tickets ist ein Beispiel für einen sogenannten Major Change – eine Veränderung, die tief in die Struktur der Mobilität eingreift und das Mobilitätsverhalten unmittelbar beeinflusst, indem sie die individuell wahrgenommenen Vor- und Nachteile grundlegend neu bewertet.

Auch persönliche Entscheidungen, wie die Wahl eines neuen Wohnorts, können zu ähnlich gravierenden Veränderungen führen. Auf lokaler Ebene kann etwa die Einführung von E-Scootern dazu beitragen, die Nutzung von Mikromobilität in einer bestimmten Gegend zu fördern.

Doch nicht jede Veränderung ist so spektakulär wie das Deutschlandticket. Es gibt auch kleinere, evolutionäre technische Fortschritte, die auf den ersten Blick weniger beeindruckend erscheinen, aber dennoch einen bedeutenden Beitrag zur Mobilität der Zukunft leisten. Der Digital Key, der nach dem Car Connectivity Consortium Standard entwickelt wurde, ist ein solches Beispiel. Er mag die Mobilität nicht auf nationaler Ebene revolutionieren, doch für einzelne Fahrzeughersteller, CarSharing-Unternehmen und ihre Nutzer bietet er spürbare Vorteile.

Der Digital Key trägt auf seine Weise zur Digitalisierung und Vernetzung bei und schafft dadurch Mehrwert für den Endnutzer. Diese Technologie kann sich als wichtiges Puzzlestück in der Entwicklung hin zu einer intelligenten Mobilität und einer Shared Mobility Economy erweisen – einer Zukunft, in der Ressourcen effizienter genutzt und Mobilitätsangebote flexibler gestaltet werden.

Einführung des Digital Keys

In der Spezifikation für den digitalen Fahrzeugschlüssel werden u. a. die folgenden drei Hauptanwendungsfälle definiert: Erstellen (Owner Pairing), Freigeben (Sharing) und Beenden (Terminate).

Erstellen (Owner Pairing):

Der digitale Fahrzeugschlüssel ermöglicht das Öffnen, Starten und Verwalten eines Fahrzeugs mithilfe eines digitalen Schlüssels, der sich in der nativen Wallet (bzw. Secured Element) des Smartphones befindet und somit auch offline genutzt werden kann (im Vergleich zu einer Remote-App-Lösung). Anstelle eines herkömmlichen physischen Schlüssels ermöglicht der digitale Schlüssel dem autorisierten Benutzer den Zugang zum Fahrzeug über eine drahtlose Kommunikationsschnittstelle wie Bluetooth, Ultra-Wideband (UWB) oder Near Field Communication (NFC). Beim Owner Pairing wird ein digitaler Schlüssel mit einem bestimmten Fahrzeug und dessen Besitzer verknüpft. Dabei handelt es sich um einen einmaligen Vorgang. Dadurch wird sichergestellt, dass der Schlüssel nur von diesem speziellen Fahrzeug und seinem Besitzer verwendet werden kann und nicht auf andere Fahrzeuge übertragen werden kann.

Teilen (Share)

Der digitale Schlüssel kann einfach mit anderen Personen, wie Familienmitgliedern oder Freunden, geteilt werden, z. B. über iMessage ohne eine spezielle App. Dadurch ist es möglich, das Auto zu verleihen oder zu mieten, ohne dass physische Schlüssel übergeben werden müssen. Der digitale Schlüssel kann für einen bestimmten Zeitraum oder nach einem festen Zeitplan zugewiesen werden. Kopien des Schlüssels können auch mit speziellen Profilen eingeschränkte Rechten geteilt werden.

Terminate

Im Gegensatz zu physischen Schlüsseln und Schlüsselanhängern können digitale CCC-Schlüssel einfach terminiert oder (temporär) gesperrt werden. Der Eigentümer des Fahrzeugs kann ausgegebene Schlüssel jederzeit über sein Smartphone oder die Fahrzeug-HMI widerrufen. So kann ein Nutzer beispielsweise entscheiden, dass er oder ein Freund keinen Zugang mehr zum Fahrzeug benötigt, oder er kann CCC Digital Keys, die mit einem gestohlenen oder kompromittierten mobilen Gerät verknüpft sind, deaktivieren, wenn das Gerät verloren gegangen ist.

Auswirkungen des Digital Keys auf die Mobilität

Schaut man sich die wesentlichen Merkmale der häufigsten Verkehrsmittel nochmal an, kann man folgende Änderungen sehen:

Flexibilität: Der Digital Key vereinfacht die spontane Nutzung von Fahrzeugen, ohne dass physische Schlüssel nötig sind – ideal für geteilte Firmenfahrzeuge, aber auch private Flotten oder kommerzielles Carsharing. Auch eine WG kann statt mehreren Fahrzeugen nur eins nutzen.

Bequemlichkeit: Durch die Digitalisierung des Zugangs wird das Schlüsselmanagement überflüssig, was vor allem für Familien und Carsharing-Modelle von Vorteil ist. Durch die UWB-Technologie kann das Fahrzeug mit dem Smartphone in der Hosentasche geöffnet werden. Auch im kommerziellen Carsharing Fall entfällt das Schlangestehen am Schalter, sondern der Schlüssel kann direkt digital zugestellt werden.

Verfügbarkeit: Da Fahrzeuge digital gemanagt werden können, wird die potenzielle Verfügbarkeit erhöht bzw. ungenutzte Fahrzeuge können nutzbar gemacht werden.

Kosten: Langfristig hilft der Digital Key, Kosten zu senken, da Fahrzeuge leichter geteilt und damit auch die Kosten besser geteilt werden können.

Sicherheit: Digitale Schlüssel können remote gesperrt werden, um unbefugten Zugang zu verhindern im Falle eines Diebstahls.

Fazit: Evolutionäre und revolutionäre Veränderungen in der Mobilität

Während das Deutschlandticket einen großen und sichtbaren Wandel in der Mobilität bewirkt, steht der Digital Key für eine subtile, aber dennoch entscheidende Veränderung. Er fügt sich als evolutionärer Fortschritt in das größere Puzzle einer digitalen und vernetzten Mobilitätszukunft ein. Beide Technologien tragen auf ihre Weise zur Gestaltung der zukünftigen Mobilität bei und spielen eine wichtige Rolle in der Entwicklung hin zu einer nachhaltigeren und effizienteren Nutzung von Ressourcen.

Markus Beller

Über MICH

Markus Beller arbeitet seit 2013 als Senior IT Consultant im Bereich Connected Mobility bei doubleSlash. Durch seine jahrelange Erfahrung in Beratungsprojekten im Automotive Umfeld – z.B. für BMW, Porsche oder ZF – ist er ausgewiesener Connected Car Experte bei im Bereich Anforderungsmanagement und Entwicklung von „Vernetzten Diensten“. Als Product Owner (PSO), Scrum Master (PSM) und IREB Certified Professional for Requirements Engineering – Advanced Level – Requirements Modeling ist er Ansprechpartner, wenn es darum geht, Digitale Frontend- oder Backend-Dienste zu konzipieren, umzusetzen und zu testen.

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