Vor kurzem haben wir auf unserem Blog über MCP, das Model Context Protocol von Anthropic, berichtet. Jetzt legt Google A2A nach – dem Agent-to-Agent Protocol.
Ist MCP damit schon wieder überholt?
Kurz gesagt: Nein. MCP und A2A lösen unterschiedliche Aufgaben – und ergänzen sich sogar hervorragend.
- MCP erleichtert die vertikale Integration: Es verbindet Tools, Datenquellen und APIs.
- A2A ermöglicht die horizontale Zusammenarbeit: Es bringt verschiedene Agenten dazu, sich zu finden, zu verstehen und gemeinsam komplexe Aufgaben zu bewältigen.

MCP integriert Tools vertikal – A2A vernetzt Agenten horizontal.
Praxisbeispiel: Mietwagen buchen mit A2A
Schauen wir uns die Funktionsweise anhand eines konkreten Beispiels an.
Ziel
Du willst für einen bestimmten Zeitraum und Ort einen Mietwagen buchen. Der Ablauf ist in vier Schritten organisiert:
Auswahl → Verfügbarkeit → Zahlung → Bestätigung.
Beteiligte Agenten
Bei dieser Aufgabe arbeiten mehrere spezialisierte Agenten zusammen – jeder übernimmt genau das, was er am besten kann:
- Primary Assistant (PA): Koordiniert den gesamten Prozess für dich.
- Rental Agent (RA): Stellt Mietwagenangebote bereit und reserviert Fahrzeuge.
- Insurance Agent (IA): Bietet dir auf Wunsch die passende Versicherung an.
- Payment Agent (PAYA): Kümmert sich um die sichere Bezahlung.
- Notification Agent (NA): Schickt dir die Buchungsbestätigung.
Ablauf
Der PA übernimmt die Steuerung. Sobald du z.B. ein Auto anfragst, startet er einen Task beim RA. Danach folgen IA und PAYA – je nachdem, was du auswählst. Am Ende bekommst du über NA deine Bestätigung.
A2A sorgt dabei im Hintergrund dafür, dass sich die Agenten automatisch finden, klar verständigen und reibungslos zusammenarbeiten – auch wenn sie von ganz unterschiedlichen Systemen stammen.
Von der Anfrage bis zur Bestätigung: Jeder Agent übernimmt eine spezialisierte Rolle – A2A sorgt für die reibungslose Kommunikation dazwischen.
Was ist A2A – und warum ist es so wichtig?
Das Ziel
A2A – das Agent-to-Agent-Protokoll – schafft eine gemeinsame Sprache für KI-Agenten.
Egal ob sie aus unterschiedlichen Frameworks, Programmiersprachen oder Ökosystemen stammen: Mit A2A können sie sicher und standardisiert miteinander kommunizieren.
Für Dich bedeutet das:
- Du kannst spezialisierte Agenten flexibel kombinieren
- Du musst Dich nicht mehr um inkompatible Schnittstellen kümmern
- Und du profitierst von einem zukunftsfähigen Standard für KI-Kollaboration
Design Prinzipien
| Prinzip | Beschreibung |
| Opaque Agent Design | Blackbox Design. Ein Agent braucht keine internen Details eines anderen Agenten. A2A ist die Kommunikationsgrundlage. Sog. Agent Cards definieren die Fähigkeit eines Agenten. |
| Build on Existing Standards | A2A nutzt etablierte Technologien wie HTTP(S), JSON-RPC 2.0 und Server-Sent Events (SSE). Das macht die Integration in bestehende Systeme deutlich einfacher. |
| Secure by Default | Authentifizierung, TLS, Auditfunktionen: A2A ist „secure by default“ – perfekt für den Enterprise-Einsatz. |
| Async-First / Long-Running | Du kannst mit A2A auch langlaufende Prozesse abbilden, inklusive Streaming und Push-Mechanismen. |
| Modality Agnostic | Text, Bilder, strukturierte Daten – A2A kommt mit allen Datentypen klar. |
Diese Prinzipien sorgen dafür, dass Agenten nicht nur kommunizieren, sondern auch effizient und sicher zusammenarbeiten – egal wie komplex die Aufgabe ist.
Die Architektur von A2A – offen, standardisiert und skalierbar
A2A ist ein offenes Protokoll und steht unter der Apache License 2.0 – das bedeutet:
Du kannst es frei verwenden, erweitern und integrieren, ganz ohne Lizenzkosten.
Es basiert auf bewährten Webtechnologien, darunter:
- TLS für sichere Verbindungen
- HTTP & SSE für Echtzeit-Kommunikation
- JSON-RPC 2.0 als leichtgewichtiges Protokoll für strukturierte API-Aufrufe
- OAuth & API-Schlüssel für Authentifizierung und Zugriffssteuerung
Diese Technologien machen A2A nicht nur robust, sondern auch leicht in bestehende Systeme integrierbar – ob Cloud, On-Premises oder hybrid.

Zusammenspiel von Client und Server Agent im A2A-Kontext
In A2A gibt es 2 zentrale Rollen:
A2A Client
Das ist die Instanz, die einen Task initiiert – oft ein anderer Agent oder ein Assistent, der mit dir direkt interagiert.
Er sendet Aufgaben (Tasks), z.B. („tasks/send“ oder „tasks/sendSubscribe“) an andere Agenten und orchestriert den gesamten Ablauf.
A2A Server
Ein A2A Server ist ein Agent, der über eine HTTP-Schnittstelle verfügt und das A2A-Protokoll implementiert. Er empfängt eingehende Aufgaben vom Client, verarbeitet sie gemäß dem definierten Task-Lifecycle (z.B. „submitted“, „working“, „completed“, „failed“) und liefert die Ergebnisse in Form von Artefakten zurück. Server werben für Ihre Fähigkeiten mithilfe von Agent Cards.
Durch dieses einfache Modell können auch komplexe Agentensysteme entstehen – jeder Agent weiß genau, wann er handeln soll und mit wem er spricht.
Die Bausteine von A2A – Agent Cards, Tasks & mehr
Agent Card – die digitale Visitenkarte
Die Agent Card ist das zentrale Dokument zur Beschreibung eines Agents. Sie dient als digitale Visitenkarte und enthält alle Informationen, die für eine erfolgreiche Interaktion notwendig sind. Typischerweise wird sie unter einem standardisierten Pfad (/.well-known/agent.json) bereitgestellt, sodass Clients sie automatisiert abrufen können.
Eine Agent Card umfasst:
- Identität: Name, Beschreibung, Anbieter.
- Technische Endpunkte: URL(s) für die Kommunikation, Protokollversion.
- Fähigkeiten: Unterstützte Features wie Streaming oder Push Notifications.
- Skills: Konkrete Funktionsbereiche, z. B. „Flugbuchung“ oder „Währungsumrechnung“.
- Authentifizierungsanforderungen: Sicherheitsmechanismen wie OAuth2 oder API-Keys.
Du findest die Agent Card unter dem Standardpfad: /.well-known/agent.json.
Damit legt die Agent Card den Grundstein für automatisierte Auffindbarkeit und Interoperabilität, da Clients auf standardisierte Weise erkennen können, wie ein Agent anzusprechen ist und welche Leistungen er anbietet.
Tasks – so starten Agenten ihre Arbeit
Ein Task ist eine konkrete Anfrage, die ein Client-Agent an einen Server-Agent schickt.
Er bildet die Grundlage für jede Zusammenarbeit.
Jeder Task hat:
- Eindeutige ID: Jeder Task erhält eine eigene Kennung.
- Status: Tasks durchlaufen verschiedene Phasen wie submitted, working, input-required, completed, failed.
- Langlaufende Abläufe: Anders als bei klassischen API-Calls können Tasks über längere Zeiträume laufen und mehrfachen Austausch erfordern.
So lassen sich komplexe Abläufe in mehreren Etappen umsetzen – mit Rückfragen, Zwischenergebnissen und Abbrüchen.
Messages – der Dialog zwischen den Agenten
Über Messages kommunizieren Client und Server – sie sind der „Chatverlauf“ zwischen den Agenten.
Jede Message enthält:
- Rolle: Jede Nachricht wird entweder im Namen des „user“ (Client) oder „agent“ (Server) gesendet.
- Inhalte: Eine Message enthält ein oder mehrere Content Parts (siehe unten).
- Eindeutige Kennung: Jede Nachricht besitzt eine messageId, um sie eindeutig nachverfolgen zu können.
Damit ermöglicht das Protokoll eine klare Dialogstruktur mit nachvollziehbaren Zuständen und einfacher Referenzierung von Nachrichtenverläufen.
Content Parts – die Informationsbausteine
Die Inhalte einer Nachricht bestehen aus sogenannten Content Parts. Sie sind die Bausteine, mit denen verschiedene Arten von Informationen übertragen werden.
- TextPart: Übermittelt Klartext – z. B. Fragen, Antworten oder Instruktionen.
- FilePart: Ermöglicht den Austausch von Dateien wie Dokumenten, Bildern oder Binärdaten.
- DataPart: Transportiert strukturierte, maschinenlesbare Daten (z. B. JSON-Parameter, Formulareingaben).
Diese klare Trennung sorgt dafür, dass Text, strukturierte Daten und Dateien nahtlos im selben Protokoll verarbeitet werden können – ganz ohne Sonderlösungen.
So läuft die Kommunikation im A2A-Protokoll ab
A2A strukturiert die Interaktion zwischen Agenten in vier klar definierte Phasen. Das sorgt für Transparenz, Wiederverwendbarkeit und saubere Trennung der Aufgaben.
Phase 1 – Discovery: Den richtigen Agenten finden
- Der Client fragt unter /.well-known/agent.json die Agent Card des Servers ab.
- Der Server liefert daraufhin die Agent Card mit Infos zu Fähigkeiten, Endpunkten und Authentifizierung.
Vorteil: Agenten können sich automatisch finden, ohne manuelle Konfiguration
Phase 2 – Task starten: Zusammenarbeit initiieren
- Der Client sendet einen Request (createTask) mit den nötigen Eingaben.
- Der Server legt den Task an und gibt eine Task-ID sowie den Status zurück (submitted).
Phase 3 – Dialog führen: Präzisieren und nachfragen
Jetzt startet der eigentliche Austausch:
- Client und Server tauschen Messages aus, z.B. mit TextPart, DataPart, etc., um Eingaben zu präzisieren oder Zwischenstände mitzuteilen.
Phase 4 – Abschluss: Ergebnis übergeben
- Sobald der Task abgeschlossen ist, sendet der Server ein Artefact zurück – das finale Ergebnis.
- Der Client kann es nun speichern, anzeigen oder für den nächsten Schritt nutzen.
Fazit: A2A bringt Ordnung in das KI-Agenten-Chaos
Mit A2A schafft Google einen offenen Standard, der Agenten verschiedener Anbieter miteinander sprechen lässt – standardisiert, sicher und flexibel.
Statt starrer APIs und manueller Verknüpfung sorgt A2A für eine automatisierte Zusammenarbeit von spezialisierten KI-Agenten.
Das Ergebnis? Du kannst Agenten kombinieren, austauschen und orchestrieren – ohne dir über Kompatibilität oder Schnittstellen den Kopf zu zerbrechen. Wenn du also an skalierbare Agentensysteme denkst, ist A2A ein Protokoll, das du dir jetzt anschauen solltest.



