Ausblick

Was kommt nach Scrum? Ein Ausblick auf die Zukunft agiler Methoden

Dieses Jahr fanden wieder unsere Technology Days bei doubleSlash statt. Besonders beeindruckend war ein Vortrag eines Kollegen, der die Frage „Wie arbeiten wir in der Zukunft?“ aufgriff.

Er beleuchtete verschiedene Einflussfaktoren, Trends und die Vorhersagequalität zukünftiger Arbeitsweisen. Dieser Vortrag inspirierte mich, einer spezifischeren Frage nachzugehen: „Was kommt nach Scrum?“ Seit seiner Einführung in den frühen 1990er Jahren hat sich Scrum als eines der führenden agilen Frameworks etabliert. Unternehmen weltweit nutzen es, um ihre Produktentwicklungszyklen zu verbessern und schneller auf Marktveränderungen zu reagieren. Laut einem Bericht von Digital.ai aus dem Jahr 2023 setzen inzwischen 87% der Organisationen, die agile Methoden nutzen, auf Scrum. (1)

Die Evolution von Scrum: Anpassungen im Zeitverlauf

Scrum wird selten „nach der reinen Lehre“ praktiziert, wie die ursprünglichen Entwickler/innen es vorgesehen hatten. In unseren Projekten beobachten wir immer wieder, dass Organisationen das Framework an ihre spezifischen Bedingungen und Herausforderungen anpassen. Die Methoden zur Umsetzung des Scrum Frameworks werden modifiziert oder durch andere Praktiken ergänzt. Diese Flexibilität und Anpassungsfähigkeit sind ein Schlüssel zum anhaltenden Erfolg von Scrum in verschiedenen Branchen. Gleichzeitig ist die Beibehaltung der agilen Grundwerte eine permanente Herausforderung, je weiter man sich vom „Original“ entfernt. 

Wesentliche Treiber für Anpassungen sind:

  • Unternehmenskultur und -struktur: Bei unseren großen multinationalen Kunden wird Scrum oft so angepasst, dass es besser mit den global verteilten Teams und der bestehenden Unternehmenshierarchie harmoniert. Es werden spezifische Kommunikationskanäle und regelmäßige standortübergreifende Reviews implementiert, die auch den unterschiedlichen Zeitzonen gerecht werden.
  • Teamgröße und Projektumfang: Unsere Automotive-Kunden haben zur Koordination verschiedener Produktdomänen SAFe (Scaled Agile Framework: ein Framework zur Implementierung agiler Methoden in größeren Organisationen) mit dem Scrum-Framework kombiniert, um größere Initiativen mit mehreren Teams zu steuern. Diese Transformation erleichtert die Koordination und Zusammenarbeit über mehrere Teams hinweg und löst Abhängigkeiten schneller auf. Diese Transformation macht auch vor der Umgestaltung der ganzen Unternehmensstruktur nicht halt.
  • Branchenspezifische Anforderungen: Viele Branchen wie z.B. die Medizintechnik, haben Scrum an die strengen regulatorischen Anforderungen ihrer Branche angepasst. Ein Trend, der sich durch freiwillige Standardisierung der Informationssicherheit (TISAX(2)) auch in der Automotive Branche mehr und mehr durchsetzt. Dabei werden spezielle Rollen, wie der Informationssicherheitsbeauftragte im Projekt und Sicherheits- und Compliance Prozesse hinzugefügt. So wird Compliance- und Risikomanagement in die agilen Teams integriert.

Die agile Landschaft ist also ständig im Wandel, wobei Methoden fortlaufend an neue Technologien und Arbeitsweisen angepasst werden müssen. Disruptive Ansätze, die die agile Praxis grundlegend verändern, sind unserer Meinung nach momentan nicht erkennbar. Es gibt allerdings Trends, die Weiterentwicklung von Scrum stark beeinflussen können.

Welche Hype-Technologien könnten Scrum beeinflussen?

Die Technologien und Trends, die Gartner im Hype Cycle für aufkommende Technologien 2023 und im Emerging Tech Impact Radar für 2024 als besonders relevant identifiziert hat, könnten die Art und Weise, wie Scrum angewendet wird, beeinflussen. Insbesondere die Integration neuer Werkzeuge für die Zusammenarbeit und KI-Optimierung könnte bedeutsam sein. Zu den hervorgehobenen Technologien gehören fortschrittliche Collaboration-Tools, Virtual und Augmented Reality für immersive Meetings, und künstliche Intelligenz zur Optimierung von Prozessen (Gartner)(3).

Obwohl Scrum weiterhin eine zentrale Rolle in der agilen Welt spielen wird, ist seine fortlaufende Anpassung entscheidend. Agile Methoden sind kein statisches Regelwerk, sondern ein lebendiger, sich entwickelnder Prozess, der sich den Bedürfnissen moderner Organisationen anpasst. Die Diskussion über das „Was kommt nach Scrum?“ ist weniger eine Frage nach einem Ende, sondern vielmehr der Beginn einer neuen Phase in der Evolution agiler Praktiken.


Quellen:

(1) https://www.rebelscrum.site/post/why-is-scrum-the-most-popular-agile-framework

(2) TISAX – Wikipedia

(3) https://www.gartner.com/en/articles/30-emerging-technologies-that-will-guide-your-business-decisions

(4) https://skillier.com/blog/top-scrum-case-study-examples-in-real-life-2023/

 

 

Sabine Rossbach

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