Wochenlang haben die Designer:innen und Entwickler:innen an diesen neuen Features gefeilt, und nun können sie endlich live gehen! Fehlt nur noch das Deployment – also die Bereitstellung des neuen Produktes auf einer Produktionsumgebung. Ein Knopfdruck und schon läuft das Ganze? Schön wär’s.
Wie der Deployment Pain die Freude über neue Features trübt
Denn die Realität sieht oft so aus:
- Die Deployments finden außerhalb der geregelten Arbeitszeit statt, um den Kunden-Impact zu minimieren.
- Bei großen Release-Zyklen werden viele Features auf einmal ausgeliefert. Und je mehr Features auf einmal ausgeliefert werden, desto mehr Fehler können in einem Deployment auftreten.
Wenn solche Fehler passieren, wird es in der Entwicklung schnell hektisch. Welches Feature hat den Fehler verursacht? Muss ein Rollback gestartet werden, oder kann das Problem mit einem Hotfix gelöst werden? All diese Fragen stellen sich die Entwickler:innen mitten in der Nacht oder ganz früh am Morgen – nicht gerade einfach.
Das dachten sich auch Nicole Forsgen, Jez Humble und Gene Kim – die Autorinnen und Autoren des Buches „Accelerate“. Sie führen jährliche Umfragen unter Teams aus diversen Unternehmen durch. Das Ergebnis dieser Umfragen wird jedes Jahr im DevOps Report veröffentlicht. Ziel des Blogbeitrags ist es, die Erkenntnisse im Bereich Deployment herauszuarbeiten. Denn das oben beschriebene „Stress Deployment Szenario“ wurde in der Erhebung ebenfalls festgestellt und als „Deployment Pain“ bezeichnet.
Was die Umfragen zeigten, war, dass die einzelnen Personen die Probleme aus dem Deployment unterschiedlich verarbeiten. Viele grübeln noch lange nach dem eigentlichen Deployment über die Probleme nach, wodurch die Nacht noch länger wird. Am Tag wird dann mit den Kolleginnen und Kollegen darüber gesprochen und in einem Post Mortem weiter analysiert. Somit ist die Freude über die neuen Features schnell vergessen und schlägt in Frust um.
Continuous Delivery für mehr Freude und Begeisterung über neue Features
Accelerate unterteilt Unternehmen in verschiedene Performance-Level:

Die obige Tabelle zeigt deutlich, dass Personen, die häufig deployen, zufriedener sind als diejenigen, die weniger häufig deployen. Dies liegt unter anderem daran, dass häufige Deployments zur höheren Zufriedenheit beitragen. Continuous Delivery führt dazu, dass kleinere Pakete und weniger Features auf einmal deployt werden. Die Fehlersuche wird dadurch weniger zeitintensiv und nervenaufreibend.
Wie Continuous Delivery schneller, effizienter und glücklicher macht
Continuous Delivery (CD) ermöglicht es Teams, Codeänderungen automatisch zu testen und nahtlos in die Produktion zu überführen. Automatisierte Deployments sind dabei entscheidend, um menschliche Fehler zu minimieren und Prozesse zu beschleunigen.
Was dafür benötigt wird
- Automatisierte Tests: Um sicherzustellen, dass neue Änderungen keine bestehenden Funktionen beeinträchtigen, sind umfassende automatisierte Tests erforderlich.
- Continuous Integration (CI): CI ermöglicht die kontinuierliche Integration und Prüfung von Codeänderungen, was eine frühzeitige Fehlererkennung fördert.
- Deployment-Pipelines: Diese automatisieren den gesamten Prozess vom Code-Commit bis zur Produktion und gewährleisten konsistente, zuverlässige Deployments.
- Monitoring und Logging: Um Probleme schnell zu identifizieren und zu beheben, sind umfassende Monitoring- und Logging-Lösungen notwendig.
- Kultur der Fehlertoleranz: Eine Unternehmenskultur, die Fehler als Lernmöglichkeiten sieht, reduziert den Druck auf Entwickler:innen und fördert kontinuierliche Verbesserung. (siehe nächster Abschnitt)
Der Change-Prozess
Accelerate zeigt, dass Genehmigungen durch externe Organe den Prozess eher stören. Stattdessen wird ein einfacher Genehmigungsprozess empfohlen, der auf Peer-Reviews innerhalb des Teams basiert, wie Pair Programming oder Code Reviews. In Kombination mit einer Deployment-Pipeline führt dies zu besseren Ergebnissen. Teams mit solchen internen Prozessen erzielen höhere Leistung und Zufriedenheit.
Durch die Implementierung dieser Praktiken können Unternehmen die Häufigkeit und Qualität ihrer Deployments verbessern, was letztendlich zu zufriedeneren und produktiveren Teams führt.

Lean Management: Fehlertoleranz als Schlüssel zur Performance-Steigerung
In der dynamischen Welt der Softwareentwicklung ist die Fähigkeit, schnell und effizient auf Veränderungen und Herausforderungen zu reagieren, von entscheidender Bedeutung. Accelerate zeigt, dass Unternehmen, die Lean-Management-Prinzipien anwenden, signifikant höhere Performance erreichen. Ein zentraler Aspekt dieser Prinzipien ist die Kultur der Fehlertoleranz.
Warum Fehlertoleranz enorm wichtig ist
Fehlertoleranz bedeutet, dass Fehler nicht nur akzeptiert, sondern als wertvolle Lernmöglichkeiten betrachtet werden. In einem Umfeld, das Fehlertoleranz fördert, fühlen sich Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sicher, Risiken einzugehen und innovative Lösungen zu entwickeln, ohne Angst vor negativen Konsequenzen bei Misserfolgen zu haben. Dies schafft eine Kultur des Vertrauens und der kontinuierlichen Verbesserung.
Warum Fehlertoleranz zu höherer Performance führt
- Schnellere Problemerkennung und -lösung:
- In einer fehlertoleranten Umgebung werden Fehler schneller gemeldet und analysiert. Dies ermöglicht es Teams, Probleme frühzeitig zu erkennen und zu beheben, bevor sie sich zu größeren, kostspieligeren Problemen entwickeln.
- Erhöhte Innovationsfähigkeit:
- Wenn Mitarbeitende keine Angst vor Fehlern haben, sind sie eher bereit, neue Ideen auszuprobieren und innovative Ansätze zu verfolgen. Dies führt zu einer Kultur der Kreativität und kontinuierlichen Verbesserung, was die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens stärkt.
- Verbesserte Mitarbeiterzufriedenheit und -bindung:
- Eine Kultur der Fehlertoleranz trägt zu einer positiven Arbeitsumgebung bei, in der Mitarbeiter sich wertgeschätzt und unterstützt fühlen. Dies führt zu höherer Mitarbeiterzufriedenheit, weniger Fluktuation und einer stärkeren Bindung an das Unternehmen.
- Effizientere Prozesse:
- Durch die kontinuierliche Reflexion und das Lernen aus Fehlern können Prozesse optimiert und verschlankt werden. Dies führt zu einer effizienteren Arbeitsweise und reduziert Verschwendung, was ein Kernprinzip des Lean Managements ist.

Unsere Einschätzung – mit Accelarate effizienter, produktiver und glücklicher in der Softwareentwicklung
Die Prinzipien und Praktiken aus Accelerate bieten einen wertvollen Leitfaden zur Reduzierung von Deployment Pain und zur Steigerung der Effizienz und Produktivität von Entwicklerteams. Durch die Implementierung von Continuous Delivery und die Förderung einer Kultur der Fehlertoleranz können Unternehmen nicht nur ihre Performance verbessern, sondern auch die Zufriedenheit ihrer Mitarbeitenden und Kunden erhöhen. Die Investition in diese Methoden zahlt sich langfristig durch bessere Ergebnisse und eine resilientere Organisation aus.



