Wie ist es möglich, dass ein KI-System wie ChatGPT fließende, kontextbewusste und präzise Antworten auf eine scheinbar unendliche Vielzahl von Fragen geben kann? Und wie genau funktioniert diese Technologie eigentlich im Hintergrund? Dieser Blogbeitrag taucht in die Welt der Sprach-KI ein und erklärt, wie moderne Large Language Models arbeiten und warum Anwendungen wie ChatGPT oder Claude heute die Art und Weise verändern, wie wir mit Technologie interagieren.
Künstliche neuronale Netze legen den Grundstein
Ein grundlegendes Konzept der Sprachverarbeitung ist das der künstlichen neuronalen Netze. Diese sind inspiriert von der Funktionsweise des menschlichen Gehirns. Dabei sind zahlreiche „künstliche Neuronen“ miteinander verknüpft und in Schichten organisiert. Diese Neuronen empfangen, verarbeiten und übermitteln Informationen. Jede Schicht hat eine spezielle Aufgabe:
- Eingabeschicht: Sie nimmt Daten auf, z. B. Wörter oder Sätze.
- Verborgene Schichten: Hier findet die eigentliche Verarbeitung statt. Die Neuronen erkennen Muster und Zusammenhänge, z. B. welche Wörter oft zusammen auftreten.
- Ausgabeschicht: Sie liefert das Ergebnis, z. B. die Antwort auf deine Frage.

Neuronalen Netze werden auf Datensätzen trainiert. Man kann sich dieses Prinzip ähnlich vorstellen wie bei einem Menschen, der Sprache erlernt: Anfangs hört ein Kind viele unbekannte Wörter. Über die Zeit lernt es durch Wiederholung/Training, was z. B. „Mama“, „Papa“, „Hund“ bedeutet. Ein Beispiel für das Training neuronaler Netze findest du hier.
Die zugrunde liegenden Konzepte für künstliche neuronale Netze stammen aus den 1940er und 1950er Jahren. Über die Jahre wurden sie weiterentwickelt und durch zunehmende Computerrechen- und Speicherkapazitäten immer ausgefeilter. Wer mehr über die geschichtliche Entwicklung der Sprachverarbeitung erfahren will, kann dies hier tun.

Ein bahnbrechender Durchbruch in dieser Weiterentwicklung gelang im Jahr 2017 im Rahmen eines von Google veröffentlichten Papers namens „Attention is all you need“. Hierbei wurde das Konzept der Transformer-Architekturen eingeführt. Welche die Grundlage heutiger Large Language Models wie BERT oder GPT-4 sind.
Das Geheimnis hinter der Transformer-Architektur
Das Besondere an Transformer-Architekturen ist, dass sie die Fähigkeit haben, komplexe Kontexte zu „verstehen“ und effizient mit langen Abhängigkeiten in Texten umzugehen.

Hierzu wird unter anderem der sogenannte Attention-Mechanismus eingesetzt, der sicherstellt, dass das Modell die Bedeutung einzelner Wörter im Kontext versteht. Anders ausgedrückt, ist dieses Verfahren in der Lage, wichtige Informationen in einer Textsequenz hervorzuheben und miteinander in Verbindung zu setzen. Ein Beispiel: Angenommen, man hat eine Textsequenz, die lautet „Ich esse leckere, bunte Gummibärchen.“ Dann versteht der Attention-Mechanismus, dass für den Kontext des Begriffs „Gummibärchen“ die Wörter „lecker“ und „bunt“ wichtig sind. Und somit wird aus einem „Gummibärchen“ ein „leckeres, buntes Gummibärchen“.
Darüber hinaus haben Transformer-Architekturen die Fähigkeit, komplexe nichtlineare Beziehungen von Begriffen zu lernen und deren jeweiligen Kontext mit zu verstehen, d.h. sie sind in der Lage die jeweils trainierten neuronalen Netze mit Wissen anzureichern. In unserem Beispiel von eben versteht das Modell, dass Begriffe wie „Kinderparty“, „Haribo“ oder „Fruchtgeschmack“ eine hohe Relevanz haben für unsere „leckeren, bunten Gummibärchen“.

Was ist ein Large Language Model und was macht sie so groß?
Large Language Models sind sehr große Sprachmodelle, die auf umfangreichen Textkorpora trainiert wurden, um Sprache zu verstehen, zu verarbeiten und zu generieren. Sie nutzen die zuvor vorgestellten Transformer-Architekturen und Attention-Mechanismen, um Aufgaben wie Textgenerierung, Übersetzung, Zusammenfassung und vieles mehr zu bewältigen. Die derzeit bekanntesten GenAI Chatanwendungen wie ChatGPT oder Claude basieren auf einem Large Language Model.
Sie zeichnen sich dabei durch drei zentrale Faktoren aus, die sie leistungsstark und „groß“ machen:
- Anzahl der Parameter: LLMs haben Milliarden von Parametern (d. h. konkret sehr große/komplexe künstliche neuronale Netze mit einer Vielzahl von Knoten, Verbindungen und Schichten), die dafür sorgen, dass sie komplexe Zusammenhänge in Texten verstehen und generieren können. Wer ein Gefühl für die Größe und Komplexität moderner LLMs bekommen möchte, kann das gerne hier tun (Anmerkung: Es wird geschätzt, dass aktuelle Modelle wie GPT-4 über 1 Billion Parameter haben).
- Datenvolumen: Diese Modelle werden auf enormen Datenmengen trainiert. Dazu gehören allgemeine Internetdaten, Wikipedia, digitalisierte Bücher, Untertitel von Filmen, Nachrichtenseiten, wissenschaftliche Paper und vieles mehr. Diese Vielfalt an Datenquellen ermöglicht es den Modellen, ein breites Spektrum an Themen abzudecken. Man geht davon aus, dass aktuelle Modelle wie GPT-4 auf mehreren hundert Terabyte an Daten mit mehreren Billionen Token (d. h. Wörtern) trainiert wurden.
- Rechenkapazität: Der Trainingsprozess von LLMs erfordert immense Rechenleistung. Hochleistungsserver und spezialisierte Hardware (wie GPUs und TPUs) sind notwendig, um die riesigen Datensätze und komplexen Berechnungen zu bewältigen. Firmen wie Microsoft investieren derzeit im Rahmen von Projekten wie Stargate bis zu 100 Milliarden $ in den Aufbau von Rechenkapazitäten zum Training der nächsten LLM-Generationen.
Wie wird aus einer Texteingabe eine Antwort?

Da jedes Computersystem am Ende nur mit Zahlen, d. h. Nullen und Einsen arbeiten kann, muss der eingegebene Text – der sogenannte „Prompt“ – zunächst in eine mathematische Darstellung umgewandelt werden. Das geschieht konkret über Vektoren, die die Bedeutung und den Kontext der einzelnen Wörter repräsentieren.

Anschließend berechnet das Modell die Wahrscheinlichkeiten für mögliche nachfolgende Wörter, basierend auf der Eingabesequenz. Zum Beispiel könnte bei dem Prompt „Wie geht es dir heute?“ das Modell die Wahrscheinlichkeiten für die Wörter „Mir“ (50 %), „Uns“ (30 %) und „Ich“ (20 %) bestimmen und das wahrscheinlichste Wort, in diesem Fall „Mir“, auswählen.
Das ausgewählte Wort wird dann an die ursprüngliche Eingabe angehängt und die erweiterte Sequenz erneut in das Modell eingespeist. Dieser Prozess wiederholt sich so lange, bis eine vollständige Antwort entstanden ist. Auf diese Weise wird Schritt für Schritt ein Text, der sowohl inhaltlich als auch grammatikalisch zum ursprünglichen Prompt passt. Dieses iterative Verfahren ermöglicht es dem Modell, kontextbewusste und natürlich klingende Antworten zu erstellen.
Verwirrt von den unterschiedlichen Begrifflichkeiten?
Die Vielzahl unterschiedlicher Begriffe kann teilweise verwirrend sein. Daher haben wir dir nachfolgend nochmal in einer kurzen Übersicht die wesentlichsten Begriffe aus diesem Beitrag übersichtlich in einer Tabelle zusammengefasst:
| Begriff | Erläuterung |
|---|---|
| Künstliche neuronale Netze | Computermodelle, die von der Funktionsweise des menschlichen Gehirns inspiriert sind. Sie bestehen aus Schichten von „Neuronen“, die Daten verarbeiten und Muster erkennen. |
| Transformer-Architekturen | Eine moderne Architektur für KI-Modelle, die auf paralleler Verarbeitung basiert. Sie ermöglicht effizientes Lernen und Verarbeitung langer Texte. |
| Attention-Mechanismus | Eine Methode, mit der KI-Modelle den Fokus auf relevante Teile eines Textes legen können, um den Kontext besser zu verstehen. Schlüsselkonzept hinter Transformern. |
| Large Language Model | Ein KI-Modell, das auf riesigen Datenmengen trainiert ist und Sprache analysieren, verstehen und generieren kann. Beispiele: GPT-4, LaMDA. |
| GenAI Anwendungen | Anwendungen wie ChatGPT oder Claude, die generative KI nutzen, um Texte zu erstellen, Konversationen zu führen oder kreative Aufgaben zu lösen. |
Fazit
Anwendungen wie ChatGPT sind eine beeindruckende Weiterentwicklung im Bereich der künstlichen Intelligenz, die unseren Alltag bereichern, weil sie Sprache auf hohem Niveau verstehen, generieren und kontextbewusst einsetzen können. Die Grundlage dieser Anwendungen liegt in einer beeindruckenden Kombination moderner Technologien: Künstliche neuronale Netze, Transformer-Architekturen und der Attention-Mechanismus ermöglichen es, Sprache effizient zu verstehen und kontextbewusst zu verarbeiten. Large Language Models wie GPT-4, die auf riesigen Datenmengen und hoher Rechenleistung basieren, machen diese Fähigkeiten vielseitig einsetzbar.
Diese Technologien sind nicht nur technologische Meilensteine, sondern auch Wegbereiter für eine Zukunft, in der Mensch und Maschine effizienter zusammenarbeiten können. Dabei zeigt sich: Je besser wir verstehen, wie diese Technologien funktionieren, desto gezielter können wir ihr Potenzial nutzen – und zugleich ihre Herausforderungen adressieren.
Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wie solche Technologien auch in deinem Arbeitsumfeld genutzt werden können, findest du weitere Informationen auf unserer Seite AI Assistant Services bei doubleSlash.



